Business Process Management (BPM) ist tot
Von Patrick Fritz, am 6. April 2009
Mit dieser provokanten These startet Thomas Allweyer in seinen aktuellen Blog-Beitrag “Prozessmanagement in der Sinnkrise“.
Thomas weißt auf die unterschiedlichen Zugänge zum Thema BPM in der Praxis hin, die sich aus meiner Sicht auch in der Literatur wieder spiegeln. Zum einen wird BPM als Management-Disziplin verstanden, d.h. in der logischen Konsequenz Unternehmensführung durch/über Geschäftsprozesse. Auf der anderen Seite wird BPM als reines Mittel zur Prozessautomatisierung gesehen. Diese Sichtweise ist nicht nur in IT-Abteilungen zu finden. Die Argumentation vor dem Management lautet schließlich Prozessmanagement = Effizienzsteigerung = Prozessoptimierung/Prozessautomatisierung. Der russische Blogger Anatoly Belychook hat in der Folge 10 Gründe zusammengefasst warum der BPM-Markt die Erwartungen nicht erfüllt. Hier das Wichtigste auf den Punkt gebracht:
- Die Begrifflichkeiten sind unklar! TQM, Re-Engineering, Six Sigma, Lean manufacturing, BPM, ISO… alle Begriffe haben irgendwie was mit Prozessorientierung zu tun, aber jeder meint er hat das Allheilmittel für sich gepachtet. In der Praxis ist das aber nicht vermittelbar.
- Prozessmanagement liefert Resultate erst langfristig! Im Umkehrschluss heißt das, wer an kurzfristigen Ergebnissen interessiert ist wird mit Prozessmanagement keine richtige Freude haben.
- Entweder ist es zu spät oder zu früh! In den jungen Jahren einer Firma ist übertriebener Formalismus verpönt. Prozessbeschreibung, was ist das nur? Wenn ein Unternehmen in der Krise steckt, ist es wahrscheinlich schon zu spät für Prozessmanagement (siehe oben, langfristige Wirkung).
Fazit: Prozessmanagement ist nicht tot, aber den BOOM hat es auch noch nicht gegeben. Ich bin mir sicher, dass wir hier erst am Anfang der Entwicklung stehen, bisher sind die unterschiedlichen Sichtweisen einfach schwer vereinbar. Viele Prozesse sind aus Sicht Unternehmensführung nicht interessant. Die automatische Verarbeitung von Formular X erhöht die Effizienz, aber bei der Unternehmensführung/-steuerung hilft es auch nicht wirklich weiter. Aus Sicht Prozessautomatisierung wirkt die Eingliederung in ein umfassendes Management-System übertrieben. Schließlich soll Prozess Y automatisiert werden und nicht in den Himmel gehoben werden. Außerdem verstehe ich die ganze Aufregung nicht ganz! Wie lange hat es beim Projektmanagement gedauert, bis es einigermaßen in der Praxis angekommen ist? Ich würde meinen gut 50 Jahre. Der Prozessgedanke ist zwar schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem Papier, aber erst Hammer/Champy haben einen ersten Mini-Boom in den 90er Jahren ausgelöst. Totgesagte leben eben häufig länger!












Schreiben Sie einen Kommentar: