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Können Prozesse die Aufbauorganisation ersetzten?

Von Patrick Fritz, am 31. Juli 2008

 

Quelle: hochleistungsorganisation.com

Ja, aber…? Vielleicht? Nein, aber…?

Mein “Kollege” Stefan Hagen hat sich auf recht unterhaltsame Weiße über das immer noch stark verbreitete “Kästchendenken” (stark funktionale/hierarchische Orientierung) in Unternehmen beschwert und plädiert folgerichtig für eine integrierte Projekt- und Prozessmanagementorganisation (PM Podcast).

Was aber wenn das Kerngeschäft eines Unternehmens nicht in Form von Projekten abgewickelt wird (soll es auch noch geben ;-) oder wenn zuerst Prozesse eingeführt werden sollen bevor an Projekte gedacht wird? Wie wirken sich dann Prozesse auf die vorhandene Organisationsstruktur (Aufbauorganisation) aus?

Grundsätzlich SOLLTE der bekannte Leitsatz gelten: “Die Struktur folgt den Prozessen und die Prozesse folgen der Strategie!” D.h. zuerst muss die Strategie feststehen (Wo soll es mit dem Unternehmen hingehen?), bevor Prozesse gestaltet werden können. Die klassische Aufbauorganisation (Struktur) ergibt sich dann sozusagen von alleine, ist also Folge von Strategie und Prozessen. Aber wo geschieht das wirklich so? Meistens kann nicht von einem “Grüne-Wiese-Ansatz” ausgegangen werden, Strukturen sind festgefahren, kleine Fürstentümer sind abgesteckt!

Schmelzer Können Prozesse die Aufbauorganisation ersetzten? stellt in diesem Zusammenhang drei Organisationsformen vor (wohl in Anlehnung an die gängige PM-Literatur) wie Geschäftsprozesse in die Aufbauorganisation integriert werden können:

  • Einfluss-Prozessorganisation: Stellt lediglich eine Erweiterung der klassischen Funktionsorganisation um prozessorientierte Stellen dar. Folglich ist der Integrationsgrad (oder auch die Wahrnehmbarkeit) von Geschäftsprozessen nur am Rande gegeben und der Verantwortungsumfang der Prozessverantwortlichen ist auf reine Koordinationsaufgaben beschränkt. Die Prozesse werden sozusagen durch die gegeben Organisation geschleust.
  • Matrix-Prozessorganisation: Stellt eine Mischform aus Funktions- und Prozessorganisation dar. Problem in jeder Matrix: Wer hat schlussendlich das sagen? Wer trägt schlussendlich die Verantwortung? Bedienen sich die Prozessverantwortlichen aus dem Expertenpool in der Linie oder umgekehrt? Manchmal scheint diese Organisationsform die einzig mögliche zu sein, ich bin nicht immer ein Fan davon.
  • Reine Prozessorganisation: Hier seit ihr richtig wenn ihr ein neues Unternehmen aufbaut (Grüne-Wiese-Ansatz). Die Geschäftsprozesse lösen die Funktionsorganisation mehrheitlich ab; Personal, Recht, Finanzen, usw. bleiben häufig als “Kompetenzzentren” erhalten.

Um auf die Titelfrage “Können Prozesse die Aufbauorganisation ersetzten?” zurückzukommen, ist die Antwort aus meiner Sicht eindeutig NEIN,… aber das Schwergewicht kann auf die Prozessorganisation gelegt werden, während Effektivität und Effizienz von funktionaler Spezialisierung “im Kleinen” nicht aufgegeben werden muss!

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