Muss es immer gleich eine Prozesslandkarte sein?
Von Patrick Fritz, am 27. Januar 2009
Quelle: geo-institut.de
Als Reaktion auf meinen Beitrag “Braucht dein Unternehmen eine Prozesslandkarte?” hat mir ein Blog-Leser die Frage gestellt, ob es diese den nun “wirklich wirklich wirklich braucht“? Meine erste Reaktion war natürlich ein klares JA! Als ich mir meinen Artikel nochmals durchgelesen (und durchdacht) hatte, war meine Reaktion VIELLEICHT, NEIN!
Der zentrale Nutzen einer Prozesslandkarte besteht in erster Linie darin einen Überblick zu geben und eine gemeinsame Sprache (ein gemeinsames Bild) im Unternehmen zu finden! Zu Begin einer Prozessmanagement-Einführung kommen diese Punkte aber gar nicht so stark zum tragen. Zum einen existieren noch keine oder wenige definierte Prozesse (von wegen Überblick), zum anderen ist der Ausblick auf eine Anpassung der (Ablauf-)Organisation wohl eher erschreckend als motivierend. Aus dieser Sicht wäre eine Prozesslandkarte, zumindest am Anfang, nicht unbedingt notwendig. Es gibt aber auch noch weitere Gründe die ich in diesem Zusammenhang zu bedenken geben will…
Wie sieht den der “klassische” Entwicklungspfad von Projektmanagement in Unternehmen aus? Zumeist startet man mit einem Projekt, dann werden es zwei, drei, vier, … usw. Aufgrund der steigenden Projektanzahl besteht der Bedarf nach Standardisierung, somit sind wir beim Projekthandbuch bzw. Projektmanagement-Handbuch. Wenn die Projekte einigermaßen standardisiert ablaufen, sprich der PM-Prozess ist soweit im Griff, geht es an die Optimierung des Projektportfolios oder auch Multi-Projektmanagement. An diesem Beispiel zeigt sich, dass die Notwendigkeit nach Überblick eigentlich erst sehr viel später in der Entwicklung kommt. Warum sollte das beim Prozessmanagement anders sein?
Zunächst wird der eine oder andere Prozess definiert. Mit steigender Prozessanzahl kommt auch hier der Ruf nach Standardisierung in Bezug auf Beschreibung/Definition, Planung der Prozessziele, Überwachung der Leistungsindikatoren (siehe Beitrag “Reifegradmodelle im Prozessmanagement“). Somit sind wir bei der Beschreibung einzelner Prozesse beim Prozesshandbuch bzw. bei organisationsübergreifenden Regelungen beim Prozessmanagement -Handbuch. Spätestens jetzt wird der Ruf nach Überblick groß und eine Prozesslandkarte wird benötigt. Zudem gilt es sich Gedanken zur organisatorischen Verankerung der Prozesse zu machen… Wer ist Prozesseigentümer? Wie sieht es mit der Kompetenzverteilung zwischen Linie und Prozess aus?
Für alle die also mit der Erstellung einer Prozesslandkarte, aus welchem Grund auch immer, warten wollen/müssen empfehle ich für den Anfang ein Prozess-Portfolio (siehe Beitrag “Wie gewichte ich Geschäftsprozesse?“). Auf Basis des Portfolios weiß man zumindest welche Prozesse im Unternehmen definiert wurden und als erste Basis für eine später folgende Prozesslandkarte dienen können. Über die Kriterien für X- und Y-Achse würde ich mir nicht allzu große Sorgen machen, um eine Optimierung der Prozesse geht es schließlich noch lange nicht.
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2 Kommentare zu “Muss es immer gleich eine Prozesslandkarte sein?”
Eine sehr gute Zusammenfassung über Prozesse.
Hier eine Beschreibung die ich erstellt habe











Axel Schröder
Am 17. August 2010 um 16:47 Uhr
Denn sie wissen nicht, was sie tun…
Dies ist leider oft der Fall, nicht nur in kleinen Unternehmen sonder selbst in der sogenannten “Großindustrie”.
Sobald man sich in einem Unternehmen dazu durchringen kann, tatsächlich methodisch anspruchsvolles Prozessmanagement zu betreiben, kommt man um eine Darstellung der Prozesse in einer geeigneten Form (und die Prozesslandkarte ist lediglich eine von weiteren geeigneten Formen) nicht herum. Es kann auch ein “Inhaltsverzeichnis” in einem klassischen Aktenordner sein. In einem kleineren mittelständischen Unternehmen mit mobilen Arbeitnehmern kann ein solcher Ordner durchaus Sinn machen.
Das Problem an der Sache ist ja in der Mehrzahl der Fälle nicht das Fehlen methodischen Wissens, sondern der fehlende Rückhalt des verantwortlichen Managements an der Aufgabe an sich. Sei es, weil Ressourcen verwehrt werden oder schlicht die dann auftretende Transparenz torpediert wird.
Mit bestem Gruß,
Axel Schröder