Vernetztes Denken für Anfänger
Von Patrick Fritz, am 31. März 2009
Gestern war ich auf der Softwareschulung für den Consideo Modeler, das führende Werkzeug für vernetztes Denken.
Das Tool soll beim Erkennen, Bewerten, Kommunizieren und Vorhersehen komplexer Zusammenhänge Unterstützung bieten. Meine Motivation für den Besuch ist schnell erklärt. Ich wollte wissen, ob das Tool für das Management von Prozessen und Projekten einen Mehrwert bringt. Meine Antwort: Ja, aber…
Wie kann ich mir vernetztes Denken vorstellen?
Zunächst wird ein Problem genau beschrieben, sowie die Systemgrenzen abgesteckt. Dabei ist es wichtig das Ziel des Modells klar zu definieren. Anschließend werden im Brainstorming Faktoren gesammelt, die Einfluss auf das Problem haben könnten. Der nächste Schritt besteht darin die Wirkungszusammenhänge zwischen den zentralen Faktoren zu bestimmen. Der Faktor “Gehalt” hat zum Beispiel einen positiven Einfluss auf den Faktor “Kontostand”. Über verschiedene Auswertungsmöglichkeiten gilt es abschließend die wahren Hebel im System zu identifizieren. Wo muss ich ansetzten um den größtmöglichen Erfolg zu erzielen?
Was bringt mir vernetztes Denken?
- Bei quantitativen Modellen, also mit Zahlen hinterlegt, bin ich sehr vorsichtig. Dabei können Aussagen zustande kommen wie: Wenn mein Frustlevel bei 20% liegt, dann tätige ich Frustkäufe für €40. Hier tritt eine Scheingenauigkeit zutage die in der Praxis wohl kaum hilfreich ist.
- Bei qualitativen Modellen, also ohne Zahlen hinterlegt, bin ich dem Risiko der Scheingenauigkeit weniger stark ausgeliefert. Hier wird lediglich zwischen leichten, mittleren und starken Zusammenhängen unterschieden. Ich wage zu behaupten, dass dabei keine “schlechteren” Modelle zustande kommen als bei der quantitativen Variante.
- Vernetztes denken hilft sicherlich Zusammenhänge zwischen mehreren Faktoren zu visualisieren und somit Licht ins Dunkle zu bringen. Wer kann sich schon mehr als 5 Faktoren und die unterschiedlichen Zusammenhänge merken.
- Werkzeuge wie der Consideo Modeler sind aus meiner Sicht nur eingeschränkt für Gruppenarbeiten zu verwenden, wobei hier der größte Nutzen zu erzielen wäre. Aus meiner Erfahrung müssen Werkzeuge extrem einfach gehalten werden, um in der Gruppe erfolgreich angewendet zu werden.
- Die Auswertungsmöglichkeiten für modellierte System müssen anwenderfreundlicher werden! Hier muss immer noch (zu) viel Interpretationsarbeit geleistet werden. Was bedeutet es nun wirklich wenn ein Faktor kritisch ist? Was muss ich konkret tun um Faktor X zu beeinflussen? Sollten wir noch weiter/besser modellieren?
- Bei komplexen Projekten könnte ich mir durchaus vorstellen die Projektumwelten zu modellieren. Wie beeinflussen sich die Stakeholder? Vielleicht würden sich auch beim Projektstrukturplan interessante Effekte ergeben. Arbeitspaket X kann eigentlich erst abgearbeitet wenn die Bedingungen 1, 2 und 3 erfüllt sind (Balkenplan+)
6 Kommentare zu “Vernetztes Denken für Anfänger”
Markus
Zu diesem Thema gibts auch ein eigenes Master Modulbibliotheksfach (“Interdisziplinäre Kommunikation”) an der FHV.
lg
maex
klasse, wie hier alle vernetzt sind und ich bin als \’Täter\’ dieses Workshops voll einverstanden mit dem Fazit. Ich möchte es nur ergänzen, denn eine große Gefahr besteht darin, dass bei vielen die auch nur kleinsten Bedenken dazu führen, einen Aufwand gar nicht erst zu versuchen.
Ein Entscheidungsunterstützungswerkzeug wie der MODELER, Heraklit, Gamma, Vensim etc. erhebt gar nicht den Anspruch, dass man es nur aus der Schublade holt, etwas ausfüllt und sogleich voll-automatisch eine exakte Prognose etwa der Marktentwicklungen erhält.
Der MODELER erhebt aber den Anspruch, dass das, was wir eh sehen und denken, erfasst und aufgezeigt werden kann – erst einmal völlig unabhängig von etwaigen Methoden. Wie gut und aussagekräftig ein Modell ist, hängt einzig davon ab, wie gut oder ausreichend meine Gedanken, meine Wahrnehmungen sind. Den Mehrwert stiftet das Modell dann damit, dass ich mit Blick auf meine Gedanken Ideen für weitere Gedanken habe. Dass ich diese Gedanken nicht nur mir, sondern auch anderen vor Augen führen kann und damit die Kommunikation um ein Vielfaches effizienter gestalten kann – auch in Gruppen! Und schließlich, dass mir aus meinen vielen Einzelannahmen ein Gesamtzusammenhang aufzeigt wird, der häufig fern meiner Bauchintelligenz mir neues Wissen, neue Erkenntnisse ermöglicht, und zwar nicht derart, dass dann schon der Lauf der Welt getroffen wurde, sondern nur die Konsequenzen meiner Annahmen aufgezeigt sind. Dass die Analysen noch einfacher zu verstehen sein müssen, nehme ich gern als Hinweis auf. Die aktuelle Version 5.0 hat da schon einiges verbessert – auch das Handbuch hat hierzu ein ganzes Kapitel hinzubekommen.
Noch einmal zusammenfassend, welchen Nutzen Modellierung aus unserer Sicht bringen soll:
täglich wollen wir
1. mehr Zusammenhänge erkennen, sehen, welche Auswirkungen unser Handeln oder Nicht-Handeln haben KANN
2. mehr und bessere Ideen haben
3. Kommunikation verbessern, das, was wir meinen, besser vor Augen führen zu können.
Darin unterscheidet sich der MODELER von den Mitbewerbern. Es kann auch ganz unbedarft mit der Modellierung begonnen werden, ohne aufwändige Theorie und Systematik. Es kann aber mit Theorie und Systematik in den meisten Fällen noch besser modelliert werden.
In diesem Sinne Happy Modeling
Kai
PS: klasse Blogs, hier wie beim Stefan Hagen habe ich jetzt schon einige Impulse zu für mich neuen Themen bekommen…. vielen Dank!
@Kai,
Vielen Dank für deine Ergänzungen! Vor allem den Punkt “Kommunikation verbessern” finde ich wichtig. Indem ich “meine Welt” besser präsentieren kann (anhand eines Modells), hat man eine bessere Grundlage um Kommunikation stattfinden zu lassen. Durch Ergänzungen/Verbesserung des Gesprächspartners kommt man zu einem gemeinsamen Modell (d. Wirklichkeit).
Gruß
Patrick
Hallo,
gerade für Projektgruppen sehe ich einen großen Nutzen bei der Arbeit mit dem Modeler. Egal ob an Strategien oder Projektproblemen gearbeitet wird.
Ein externer Moderator kann “naive” Fragen stellen und die Antworten gleich visualisieren und damit ist die Antwort in der Kommunikation (Luhmann).
Dazu kommen die “besten” systemische Fragen, zu denen der Modeler sehr einlädt: Welche Auswirkungen hat der Faktor auf was? Welche noch? Wer oder was ist direkt oder indirekt davon betroffen (stark, schwach, kurz oder langfristig)?
Gute Erfahrungen beim Modeln wünscht
Christoph Schlachte
@Christop… bitte den Ton auf der Webseite abschalten












Bernhard Schloß
Am 3. April 2009 um 17:04 Uhr
Kann mich dem Fazit nur anschließen. Systemanalyse und Modellierung sind Hilfsmittel und wir müssen uns ihrer Grenzen stets bewusst sein.
Siehe auch: http://www.bernhardschloss.de/blog/?p=417