Was soll ein kaufmännischer Projektleiter drauf haben?
Von Patrick Fritz, am 11. März 2009
Wir BWL’er werden ja gemeinhin verschmäht… JA, ich gebe zu auch einer zu sein! Sprüche wie, “das bisschen Mathe hab ich im kleinen Finger” oder “BWL’er sind reine Kostenstellen”, sauge ich mir nicht aus den Fingern
Vielleicht sind die bekannten Vorurteile aber auch irgendwie verständlich. Schließlich wird in der Ausbildung auf eine klare Profilbildung allzu häufig verzichtet, um dem Ideal des Generalisten möglichst nahe zu kommen. Wobei das mit absoluter Sicherheit kein ausschließliches Problem der BWL ist, wie ich in der Lehre mit Technikern, Informatikern, und Gestaltern erlebe.
Passend zum Thema war ich letzte Woche auf der Vorstellung des neuen Curriculums/Lehrplans für die Betriebswirte an der FH Vorarlberg: “Sie können allgemeine betriebswirtschaftliche Sachaufgaben als akademisch ausgebildete Fachkräfte eigenständig erfüllen und die Auswirkungen ihres Handelns aus gesamtunternehmerischer Sicht einschätzen und bewerten”. Darauf aufbauend finden sich die vier zentralen Gebiete der BWL im Lehrplan schwerpunktmäßig wieder:
- Rechnungswesen/Finanzen
- Marketing/Verkauf
- Produktion/Materialwirtschaft
- Personal/Organisation
…weiter im Text: “Sie haben eine prozessorientierte Sicht der betrieblichen Abläufe und Entscheidungsprozesse und sind in der Lage komplexe und innovative Aufgabenstellungen mit den Instrumenten des Projektmanagements erfolgreich zu gestalten”, d.h. die Verbindung der Methoden des Projekt- und Prozessmanagements kommt hier mit ins Spiel.
Was soll ein kaufmännischer Projektleiter also drauf haben? Neben einer soliden Methodenkompetenz (Projekt- und Prozessmanagement), soll er in mindestens 2 von 4 zentralen Bereichen der BWL “fachkompetent” sein. Bei der anschließend möglichen Master-Ausbildung spitzt sich das Fachwissen sogar auf einen Fachbereich zu:
- Master Controlling & Finance
- Master Marketing & Sales
- Master Business Process Engineering
Fazit: Eine solide Methodenkompetenz kann dabei helfen in möglichst vielen Bereichen einsetzbar zu sein. Wirkliche Fachkompetenz ist aber in mehr als 2 von 4 zentralen Bereichen der BWL nicht realistisch! BWL-Studenten und künftigen Projektleitern möchte ich deshalb nahelegen, sich schon während dem Studium Gedanken zu machen in welchem Bereich sie WIRKLICH fachkompetent sein wollen/können.
- Projektmarketing durch Pressearbeit?
- Einführung eines Prozessmanagement-systems
- Der Liquiditätsplan für dein Projekt
- Erfolgreicher “change” durch Prozessmanagement?
- “Methodenwerkstatt Projektmanagement” oder wie lehrt man PM-Methoden











Henning
Am 13. März 2009 um 10:16 Uhr
Auch ich habe das “Problem” zwar kein BWLer, sondern Oeconom zu sein (Spezialisierung in Projektmanangement und Regionale und Sektorale Strukturpolitik(?)). Dennoch bin ich als Projektleiter in einem technischem Betrieb tätig und muss sagen, dass ích nur Grundlagenwissen aus der Schulzeit und meiner Kindheit besitze kaum stört. Zumal es mir den Vorteil bietet das Projektteam weit mehr in ein Projekt ein(an-)zubinden. Bei meinen bisher wenigen Projekten hat das hervorragend geklappt. Allerdings habe ich auch in meiner Firma den Vorzug, dass ich hier auf all meine Fragen vernünftige Antworten bekomme und keiner blockt. Außerdem bin ich als Trainee angefangen und habe so erstmal einen Großteil der Abteilungen, die Leute, die Prozesse, etc. kennengelernt.